Eine junge Frau vor gut 250 Jahren. Am Tag ihrer geplanten Hochzeit mit dem Grafen Appiani findet sich die junge Emilia Galotti plötzlich in den Strudel höfischer Intrigen hineingezogen. Der Prinz Hettore Gonzaga und sein Kammerherr Marinelli spinnen eine Intrige, um die Hochzeit zu verhindern. Ein Überfall auf das junge Paar wird arrangiert, Emilia zum Schein auf das Schloss des Prinzen gerettet, dort meint der Prinz endlich eine Gelegenheit zu haben, Emilia für sich zu gewinnen. Auch andere finden sich dort ein: Die Gräfin Orsina etwa, die Geliebte des Prinzen, oder die Eltern Emilias. Eine Begegnung, die in einer Katastrophe enden wird.

Eingeengt in eine Welt der Männer, der Väter ist die junge Emilia Galotti. Begehrt vom Landes-Vater, dem Prinzen Hettore Gonzaga, der die politischen Institutionen seiner Regierung nutzt, um seine privaten Interessen durchzusetzen. Das heißt: Emilia, die mit Appiani verlobt ist, trotzdem für sich gewinnen. Koste es, was es wolle.

Eingeengt aber auch von der strengen, zu misstrauischer Kontrollsucht und Rücksichtslosigkeit neigenden Härte des eigenen Vaters, des Haus-Vaters Odoardos, eines strengen Berufssoldaten. Der den Prinzen, Marinelli und den ganzen Hof verabscheut und alles, was er tut und vorlebt, hasst.

Zwischen diesen beiden Männern muss Emilia bestehen, ihren Weg zu Selbstständigkeit und Autonomie finden und bewahren. Kann das gelingen? Wenn ja, zu welchem Preis?

Lessings berühmtes Trauerspiel wurde erstmals 1772 aufgeführt. Gotthold Ephraim Lessing, damals 43 Jahre alt, entwickelte damit eine Gattung weiter, die als „Bürgerliches Trauerspiel“ Einzug in die Literatur- und Theatergeschichte fand und zum Vorbild wurde für viele der großen Dichter des 18. Jahrhunderts. Vorneweg für Goethe und Schiller. Bei beiden finden sich deutliche Hinweise, dass auch Lessing unter ihren Lehrmeistern war.

Verstanden wurde das Stück oft vor allem als Anklage gegen ein absolutistisches Feudalsystem, in dem sich Fürsten wie der Prinz ganz selbstverständlich das nehmen, was sie wollen, ohne Strafen fürchten zu müssen. Staatlich abgesicherte Rücksichtslosigkeit und Willkür in ihrer reinsten Form. Und natürlich findet sich genau das auch in unserer Aufführung.

Wir sehen das Stück aber auch als Anklage gegen eine bürgerliche Eltern-Generation, die ihre Kinder zwar die Ablehnung höfischen Lebens lehrte, aber doch im privaten Raum nicht minder herrschsüchtig und despotisch zu Werke ging wie der geschmähte Adel.

Unser Ensemble besteht aus theaterbegeisterten Abiturienten der Jahrgangsstufe Q2. Einen interessanten und hoffentlich auch unterhaltsamen Theaterabend wünschen Ihnen alle Darsteller, aber auch die Spielleiter Christian Elges und Jan Schneidereit.