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Latein als dritte Fremdsprache ist als wenigstens vierjähriger Kurs angelegt, an dessen Ende man bei wenigstens ausreichender Leistung das sog. Latinum (früher „Großes Latinum") erlangt. Diese Qualifikation hat zentrale Bedeutung als Zugangsberechtigung für viele sprachliche und geisteswissenschaftliche Studiengänge (sonst müsste man das Latinum in einem mehrsemestrigem Kurs nachholen – eine erhebliche Verzögerung des eigentlichen Studiums), verhilft aber auch Medizinern zu einem leichteren Zugang zur facheigenen Terminologie und wird auch als ein solcher Vorteil empfunden.

Neben der Latinumsqualifikation bietet Latein als dritte Fremdsprache weitere Vorteile:
Latein wird nicht wie die modernen Fremdsprachen mit dem Ziel der Kommunikationsfähigkeit in dieser Sprache gelernt, sondern mit dem Ziel, lateinische Texte lesen, übersetzen und deuten zu können. Dazu ist zunächst die Kenntnis des Regelwerks der lateinischen Sprache nötig. Ihre Strukturen müssen am lateinischen Text erkannt werden, um diesen adäquat zu verstehen. Das dafür erforderliche genau analysierende, „mikroskopische" Lesen aktiviert das Sprachbewusstsein und wirkt sich nachweislich positiv auf die Lesekompetenz auch in der deutschen Sprache aus, also genau auf den Bereich, in dem in der Pisa-Studie Defizite deutscher Schüler aufgedeckt wurden. Studenten mit Latinum kommen – so verschiedene Studien – deutlich besser mit Texten in anspruchsvoller deutscher Prosa zurecht als solche ohne Latinum. Gleichzeitig versteht man durch Latein das Funktionieren von Sprache überhaupt. Durch den exakten analysierenden Umgang mit Sprache schult das Lateinische zudem logisches Denken und fördert Konzentration und Ausdauer.
Neben der Lesekompetenz verbessert Latein auch die Fähigkeit zu differenzierter Ausdrucksweise. Das Übersetzen bedeutet ja, einen lateinischen Text ins Deutsche zu übertragen und dabei auf die Nuancen zu achten, die vom lateinischen Autor intendiert sind. Dabei muss oft um die deutsche Formulierung gerungen werden, was sich positiv auf das Ausdrucksvermögen und die sprachliche Kreativität auswirkt.

Schließlich erleichtert Latein das Erlernen sämtlicher romanischer Sprachen (besonders in der Kombination mit Französisch) und auch des Englischen, dessen Vokabular zu 60 – 80 % dem Lateinischen entlehnt ist.
Im Lateinunterricht werden neben der Sprache auch Kenntnisse über Lateinische Texte der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit sowie den jeweiligen geschichtlichen Hintergrund vermittelt. Damit erwirbt man grundlegende Einsichten in die Wurzeln der europäischen Kultur, also in das, was Europa zusammenhält. Die thematische Vielfalt reicht dabei von Literatur im engeren Sinne über Geschichte, Politik, Rhetorik, Archäologie bis hin zur Philosophie. Bildliche Darstellungen und archäologische Funde veranschaulichen das faszinierend fremdartige Leben im römischen Weltreich sowie dessen Einfluss auf die europäische Kultur bis in unsere Zeit. Insofern erstaunt es nicht, dass immer wieder Schüler sagen, Latein sei das am meisten allgemeinbildende Fach gewesen, das sie in der Schule hatten. Dass dies auch mit großer Freude am Lernen verbunden sein kann, zeigt das seit Jahren stabile Angebot von Grund- und Leistungskursen Latein in der Oberstufe, die nicht zuletzt von einer großen Zahl von Schülern mit Latein als dritter Fremdsprache angewählt werden.


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